Zwei Leben in einem Leben – Teil 1
Es war einmal eine Lehrerin, die ihr vielseitiges Leben liebte. Sie hatte einen wunderbaren Sohn, eine herzliche Familie, einen interessanten Freundeskreis und eine feste Stelle an einer Schule.
Ihre aktive Zeit füllte sie mit Inlineskaten, Volleyball, Fahrrad- und Motorradfahren, Wandern, Weiterbildungen, Meditationen, Büchern, kreativen Projekten, Reisen und Zeit in der Natur. Sie ahnte nicht, dass mit all dem von einem Moment auf den anderen Schluss sein könnte.
Sie war gerade einmal vierzig Jahre alt und fühlte sich in der Blüte ihres Lebens. Doch eines Nachts passierte etwas, das alles veränderte. Es war nichts, was sie schon kannte, nichts, womit sie gerechnet hatte. Kein Märchenprinz, kein König, der sie in sein Königreich holte, sondern ein Bruch, der ihr gesamtes Leben teilte. Wie es weitergeht und was genau in dieser Nacht geschah, erzähle ich im nächsten Teil.
Wenn du zart besaitet bist, mach dich auf etwas gefasst.
Zwei Leben in einem Leben – Teil 2
Vom Zen-Zustand zum Heavy-Metal-Konzert
Es war Sonntagabend, kurz vor dem Einschlafen. Es war Zeit für mein absolutes Lieblingsritual. Im Bett liegen, den vergangenen Tagen nachspüren, reflektieren und mich voller Dankbarkeit, für alles Erlebte für die kommende Woche einstimmen. Ich war im Reinen mit mir, spürte die tiefe Ruhe meines Zen-Zustandes. Doch bevor mich die wohlige Dunkelheit des Dämmerzustands erreichen konnte, passierte etwas, das meine Welt auf den Kopf stellte.
Aus dem Nichts heraus überfielen mich Schmerzen, die ich in dieser Intensität und Vielfalt zuvor noch nie erlebt hatte. Es war kein Pochen oder einfaches Stechen. Es war eine Symphonie des Schreckens. Der Schmerz war überall, wanderte durch meinen Körper, sprang von Körperteil zu Körperteil, als würde er sich ein Spiel mit mir erlauben.
Es fühlte sich an, als würde ich plötzlich von einer ganzen vor Wut tobenden Menschenmenge verprügelt, brutal zerrissen und mit Messern attackiert werden. Mein Körper, der sich vor wenigen Sekunden noch im absoluten Gleichgewicht befand, feierte plötzlich eine ausufernde Rave Party mit aggressiven Mix aus Heavy-Metal und Samba unter dem Motto des ultimativen Schmerzes.
Es war ein wildes Wechselspiel. Mal fühlte es sich an, als würde man mich an verschiedenen Stellen kneifen und schneiden, dann wieder wie eine Berührung mit einem glühend heißen Bügeleisen. Im nächsten Augenblick fühlte es sich an, als würden mir bei lebendigem Leib die Knochen gebrochen. Mein Nervensystem spielte verrückt und ich war die hilflose Zuschauerin in meinem eigenen Körper.
Es ist dieser Moment der totalen Hilflosigkeit, wenn der persönliche sichere Hafen, der eigene Körper, plötzlich zum Kriegsgebiet wird. Ein Schrei nach Stille, der in einer wahllosen Willkür aus elektrisierendem, reißendem, brennendem Schmerz untergeht.
Zwei Leben in einem Leben – Teil 3
Die Rettung
Es gibt Momente im Leben, da bricht die Welt im Außen nicht nur zusammen, sondern auch zu einem brennenden Trümmerfeld. Und in genau diesem Moment, als der Schmerz mich zu zerreißen drohte, blieb mir nur eine einzige, verzweifelte Option. Es war die Flucht nach innen. Der Rückzug in meine eigene, innere Festung.
Ich wollte mich einfach nur noch von meinem eigenen Fleisch distanzieren. Ich versuchte, mich weiter und weiter zurückzuziehen. Irgendwohin, wo dieser grausame, alles verschlingende Schmerz mich hoffentlich nicht mehr finden konnte.
Ich wollte schreien. Ein einziger, lauter, befreiender Schrei, der den ganzen Horror aus meiner Seele pressen sollte. Doch als ich den Mund öffnete, passierte… NICHTS. Meine Stimme versagte vollständig. Kein Ton. Nur ein tonloses, ersticktes Keuchen. Meine Kehle fühlte sich an wie zugeschnürt, die Stimmbänder wie gelähmt von der schieren, brutalen Wucht dieser schmerzerfüllten Gewalttat. Es war ein erschreckendes Gefühl. Mein eigener Körper verweigerte mir selbst den akustischen Notruf. Ich war gefangen in mir selbst.
In meinem Kopf explodierte ein absolutes Gedankenchaos. Ein rasendes Karussell aus hilflosen Fragen, auf die es in diesem Moment keine Antworten gab: „Was ist das? Was ist bloß los mit mir? Wieso passiert das ausgerechnet jetzt?…“
Aus der nackten Panik wurde ein stummer, flehender Befehl, der sich wie ein Mantra gegen die Qual stemmte: „Stopp! Aufhören! Biiiitteeee, hör einfach auf!“
Als jede rationale Logik versagte, klammerte sich mein völlig überfordertes Bewusstsein an die reinste, spirituelle Essenz, die ich in mir finden konnte. Wie eine Ertrinkende in einem reißenden Fluss wiederholte ich im Geiste immer und immer wieder dieselben Worte. Ich beschwor sie wie einen Schutzschild gegen die Dunkelheit: „Licht und Liebe! Licht und Liebe! Licht und Liebe!…“
Ich versuchte verzweifelt, diese Worte wie eine schützende Decke über die lodernde, verzehrende Schmerzexplosion in meinen Nervenbahnen zu legen.
Wie lange diese brutale Schmerzwelle tatsächlich andauerte, weiß ich nicht. Wie viele Minuten oder Stunden mein Nervensystem Amok lief, lässt sich nicht messen. Es gibt keine Zeit in dieser brutalen, alles verschlingenden Schmerzsphäre.
Doch noch bevor ich eine Antwort finden oder der Schmerz nachlassen konnte, tat mein Gehirn das Einzige, was mich noch retten konnte. Es zog den ultimativen Notstecker. Um mich vor der totalen Reizüberflutung und der drohenden Zerstörung zu schützen, kollabierte mein System endgültig. Ich stürzte tief hinab ins absolut rettende Nichts.